Religion in Tibet

In Tibet sind die meisten Menschen Anhänger des tibetischen Buddhismus. Der Buddhismus wurde im 7. Jahrhundert in Tubo eingeführt und entwickelte sich in den vergangenen 1350 Jahren in komplizierter und wechselvoller Weise zum tibetischen Buddhismus. So entstanden religiöse Feste und Rituale sowie Sitten und Gebräuche, die das Leben der Mönche prägten. Ihr Leben unterschied sich beträchtlich vom Leben der Mönche anderer Religionen.
Mönche im Sera-Tempel bei einer Debatte über die buddhistischen Schriften

Die wichtigen religiösen Rituale und Feste in den Klöstern des tibetischen Buddhismus sind im großen und ganzen gleich. Aufgrund der verschiedenen Sekten und der unterschiedlichen Größe der Klöster gibt es jedoch einige kleine Unterschiede. Einige Klöster haben ihre Eigenheiten beim Vorlesen der Sutras und bei den Opferreichungen. Seit Gründung des ersten buddhistischen Klosters – des Samye-Klosters – im Jahre 775 in Tibet, sind die Klöster die wichtigsten Stätten für religiöse Aktivitäten. In allen großen und kleinen Klöstern werden täglich bestimmte Rituale durchgeführt – in unterschiedlichem Umfang. Neben den Versammlungen zum Morgengebet und zum Lesen von Sutras gibt es noch verschiedene Gebetsversammlungen. Anlässlich des Festes für den Medizinbuddha, für Kondorma (eine der wichtigsten tantristischen Gottheit), für Sakyamuni (der Begründer des Buddhismus) und für Amitayus am 8., 10., 15., 25. bzw. 30. Tag jeden Monat nach dem tibetischen Kalender müssen entsprechende Gebetsversammlungen veranstaltet werden. Nach dem tibetischen Kalender werden zum Gottes-Fest am 15. Tag des 1. Monats, zum „Sagya Dawa“-Fest im 4. Monat, zum „Zhubacepur“-Fest am 4. Tag des 6. Monats, zum „Lhapo Duiqen“-Fest am 22. des 9. Monats, zum „Gardain Ngaqu“-Fest am 25. des 10. Monats und zur „Zeremonie zum Vertreiben von Gespenstern“ am 29. Tag des 12. Monats hohe religiöse Rituale abgehalten, an denen besonders viele Mönche und Gläubige teilnehmen. Das Große Gebetsfest vom 3. bis 25. des 1. Monats nach dem tibetischen Kalender ist eins der wichtigsten buddhistischen Feste, besonders im tibetischen Buddhismus. Außerdem feiert jedes Kloster je nach historischem Hindergrund und Klosterheiligen seine besonderen Feste.

Die religiösen Aktivitäten in den Laien-Familien des tibetischen Buddhismus sind zwar erheblich weniger Intensiv als in den Klöstern, allerdings prägen sie den gesamten Alltag der meisten Laien.

In jedem Laien-Haushalt steht ein Altar mit Opfergaben, manche Familien verfügen auch über einen Haustempel, in dem Buddha-Statuen aus Gold, Silber, Bronze oder Buddha aus Duftende, Tangka- oder Papierbuddhabildnisse verehrt werden. Andere Familien haben Nischen mit Buddhastatuen sowie Opferlampen und -schalen. Jeden Morgen muss das heilige Wasser in den Opferschalen ausgewechselt werden. In manchen Familien werden jeden Tag Weihrauchstäbchen abgebrannt und Butterlampen angezündet, in anderen Familien werden nur am glücklichen Tag nach dem tibetischen Kalender Lampen angezündet. Bei Hochzeits- und Trauerfeiern oder bei der Behandlung von Krankheiten müssen Mönche oder Zaubermeister Sutras rezitieren und buddhistische Rituale durchführen. Bei großen Veranstaltungen dieser Art soll man im Allgemeinen vier Mönche einladen und eine Gebetsversammlung veranstalten, wobei viel „Co“ (eine Speise aus Qingke-Gerstenmehl, Joghurt und braunem Zucker) als Opfergabe bereitet wird. Verwandte und Freunde kommen mit Hadas, Butter, Ziegeltee, Hammelfleisch und Geld. Der Gastgeber verteilt „Co“ an alle Nachbarn.
Eine Szene des Großen Gebetsfestes im Jokhang-Tempel in Lhasa

Das Leben der Mönche des tibetischen Buddhismus ist besonders von der Religion geprägt. Nach der Tradition des tibetischen Buddhismus darf ein Knabe im Alter von 7 bis 8 Jahren ins Kloster gehen. Bevor ein Kind ins Kloster geht, muss es sich den Kopf kahl scheren lassen, eine Haarsträhne auf dem Scheitel wird vom buddhistischen Abbot (Kampa – Rektor der buddhistischen Schule eines Klosters) tonsuriert. Danach ist das Kind Mönch.

Ein Junge wird in der Zeit zwischen seiner Tonsurscherung und dem 20. Lebensjahr erstmalig als Mönch den Initiationsriten für Sramanera (Novize) unterzogen. Die Initiationsriten umfassen 36 Gebote wie „nicht stehlen und nicht töten“. Bei den Weihen ist die Zahl von Acaryas (Meister) von Ort zu Ort verschieden, aber es müssen mindestens fünf Acaryas dabei zugegen sein. Bei den Initiationsriten für einen buddhistischen Bhiksu (Bettelmönch) handelt es sich um eine der größten Zeremonien des Buddhismus. Es gibt 253 Gebote für Bhiksu. Wer das 20. Lebensjahr vollendet hat, darf an diesen Initiationsriten teilnehmen. Bei Weihen müssen ebenfalls mindestens fünf Acaryas anwesend sein.

Tee ist ein unentbehrliches Getränk der Tibeter, das gilt auch für die Klöster. Jeden Morgen nehmen alle Mönche an einer Morgengebetszeremonie teil. Unter Leitung der Gebetslehrer lesen sie zusammen Gebete, bevor sie Buttertee und Zanba (Speise aus Qingke-Gerstenmehl) genießen.

Mittags versammeln sich die Mönche in der Gebetshalle der dem Kloster unterstehenden buddhistischen Schule, trinken Tee und rezitieren buddhistische Schriften, was den Morgengebeten entspricht, nur nicht so lange dauert.

Am Abend treffen sich die Mönche in den nach Ortschaften untergliederten kleineren Organisationen „Khang-tshan“, wo sie Tee trinken und Gebete lesen.
Das Zhaibung-Kloster, das im Jahr 1416 in Lhasa gebaut wurde, ist das größte Kloster der Gelben Sekte des tibetischen Buddhismus.

Es ist üblich, dass man den Mönchen in den Klöstern Tee und Brei spendet. Beim Spenden überreicht der Geber dem Mönch einen Zettel mit den Sutras, die er rezitiert haben möchte. Dies gilt als Schutz vor bösen Geistern und Sicherheit. Auch hochgebildete Mönche „Geshi“ (ein akademischer Titel im tibetischen Buddhismus) spenden den Mönchen der Klöster Tee und Brei, manchmal auch Geld. Mönche aus armen Familien leben im Wesentlichen von Almosen.

Junge Mönche, die gerade ins Kloster gekommen sind, müssen die Elementarkenntnisse der tibetischen Sprache und Literatur erlernen und einige einfache Lob- und Gebetsreden auswendig aufsagen. Auf dieser Grundlage beginnen sie, die buddhistischen klassischen Schriften in „Qurab“ (Akademie für Sutras-Studium) zu studieren.

Die Schulausbildung ist im Allgemeinen in zwei Kategorien unterteilt: 13 und 15 Klassen. In den großen Klöstern Sera und Gandain in Lhasa z. B. wurde das Schulsystem mit 13 Klassen eingeführt, in Zhaibung jedoch das 15klassige. Die Studienzeit aller Akademien für das gesamte Sutra-Studium beträgt 10 bis 20 Jahre.

Beim Studium wird den Debatten über die buddhistischen Schriften große Beachtung geschenkt. Junge Mönche gehen jeden Tag zur „Qurab“, wo sie Vorlesungen hören oder miteinander über die buddhistischen Schriften debattieren. Einer stellt eine These auf, der andere debattiert mit ihm darüber. Bei diesen Debatten geht es sehr lebhaft zu. Im Winter und Sommer werden separat in Sampu und Radoi Debatten über die buddhistischen Schriften abgehalten. Durch das Rezitieren der Sutras, das Studium derselben sowie Debatten beherrschen die studierenden Mönche die buddhistischen Schriften. Ab diesem Punkt können sie an den Debatten aller Klassen in ihren Klöstern teilnehmen. Wer all diese Prüfungen bestanden hat, kann sich auch an den Debatten beim Großen Gebetsfest in Lhasa beteiligen.

„Geshi“ ist in folgende Grade unterteilt: Der erste Grad heißt „Lharamba“, er wird beim Großen Gebetsfest in Lhasa durch eine Prüfung (nach einer Debatte) erreicht. Der zweite Grad, „Coramba“, wird beim Kleinen Gebietsfest im Februar nach dem tibetischen Kalender durch Prüfung erworben. Der dritte Grad, „Doramba“, wird in den Heimklöstern erworben und der vierte Grad, „Lingse“, ist eine Auszeichnung der buddhistischen Schule des Heimklosters.

Wenn ein einfacher Mönch den höchsten Posten des tibetischen Buddhismus „Gandain Khripa“ erlangen möchte, muss er noch im Oberen und Unteren Tantrik-Seminar in Lhasa die tantristischen Lehre studieren, den akademischen Titel „Aramba“ in der tantristischen Schule erlangen und dann ein oder ein halbes Jahr als dge-skos (Dekan für Klosterdisziplin), drei Jahre als dbu-mdzad (Gebetsleiter) und weitere drei Jahre als Kampo (Rektor der buddhistischen Schule eines Klosters) tätig sein. Dann wird er zum Kamsoi. Wenn er die Kamsoi-Stelle des Oberen Tantrik-Seminars übernimmt, wird er Kandidat für den Platz Gandain Xaze Khripa. Wenn er als Kamsoi des Unteren Tantrik-Seminars tätig ist, wird er Kandidat für den Platz Jamze Khripa. Der Posten „Gandain Khripa“ wird abwechselnd von Kandidaten Gandain Xaze Khripa und Gandain Jamze Khripa bekleidet. Die Amtszeit beträgt sieben Jahre; wer die Amtszeit vollendet, tritt von diesem Amt zurück. Ein Mönch, der den Posten „Gandain Khripa“ erlangt, wird im Allgemeinen 70 bis 90 Jahre alt sein. Der Buddhismus ist recht schwer zu verstehen, und seine akademischen Titel sind nicht leicht zu erlangen.

Quelle: Beijingrundschau